Heinzelcheesetalk #54: Äpfel, Birnen – und Käse! Freitag, 14. September 2018

Meistens und eigentlich geht es bei den Heinzelcheesetalks vor allem um den Käse. Da aber erstens nicht alles immer so wie immer sein muß, zweitens im Heinzelcheese-Universum Käse ohne Wein schwer vorstellbar ist und drittens Gäste großartig sind, haben wir den Spieß (oder vielleicht eher die Käsebretter) dieses Mal umgedreht. Apfelwein vom Feinsten kam in die Gläser, und wir untersuchten anhand ganz unterschiedlicher Käse, was sich wie miteinander verträgt.

Daß das nicht nur Handkäs sein würde (obgleich wir mit einem noch jungen und daher verhaltenen Exemplar begannen) und die Musik nicht nach Zwiebeln und Essig riechen, verstand sich beinahe von selbst. Das Beste: die Apfelweine kamen von einer der allerbesten Adressen, nämlich vom Obsthof am Steinberg in Niedererlenbach bei Frankfurt. Und das Allerbeste: Andreas Schneider saß persönlich bei uns am Tisch und erzählte von ihrer Entstehung und seinen Apfelbäumen!

Nach einem traubighefigherben Einstieg mit dem immer wieder wunderbaren Roncaie, einen auf der Hefe abgefüllten Frizzante aus Garganega von Menti im Veneto, ging es gleich zum Apfel über: 2015 Graue Renette. Trocken und doch fruchtigrundes Stöffche, das sich sehr über den türkischen Dil Peynir freute, einen wie Mozzarella gezogenen Pasta Filata aus sahnigkremiger Kuhmilch. Manchen von Euch gefiel allerdings der Cam-Mäh von Solterbeck besser, vor allem in der Kombination mit dem wahrhaftig großartig eleganten 2015 Carpentin Barrique. Hier paarte sich die Frucht (Carpentin ist eine alte hessische Sorte) mit einer herben Note vom kleinen Eichenholzfaß – eine Idee, die Andreas Schneider im Gespräch mit dem fränkischen Spitzenwinzer Paul Fürst hatte. Bravo.

Dann, zu kühl und langsam von Marcel Petite über zwölf Monate gereiftem Comté aus dem Jura, ein ebenso gelungener Perlwein (also Frizzante), der 2016 Goldparmäne Junge Bäume. Wenn man den Käse vorsichtig am Gaumen zu seiner ganzen sämigen Fülle zerdrückte, fand die feine Kohlensäure Anschluß, und beides verband sich gelbfruchtig-nussig und köstlich.

Es folgte zweimal Schweizer Raclette aus Anniviers, jünger und sehr aromatisch, älter und ausgewogener. Den hatte ich für Euch von meiner Reise ins Wallis im März aufgehoben, außerdem veranstaltet Andreas Schneider im Winter auf dem Obsthof immer wieder Raclette-Abende. Selbst wenn wir nicht geschmolzenen Käse schabten, demonstrierte die fruchtbetonte, vergnügliche 2017 Apfel-Cuvée, wieviel Sinn das macht.

Auch der nächste Käse kam aus der Heinzelcheese-Schatzkiste: extra gereifter Olde Remeker, aus biodynamischer Jerseymilch, von der Familie van de Voort, diesen Ausnahme-Käsemachern, die unweit von Utrecht leben. Mürbe, üppig, mit vielen Knusperkristallen – eine Welt an Geschmack. Letzteres galt auch für die 2016 Goldparmäne mit Weinbirne mit ihrer verführerischen Duftigkeit und feinen Süße.

Schließlich hatte ich noch Pecorino für Euch mitgebracht, sardischen, sämig-dezenten Maturo von Argiolas und salzig intensiven Pecorino Romano, um den 2016 Eis-Apfelcidre zu begleiten, für den Andreas Schneider den gepreßten Most teilweise dem Winterfrost überlassen hatte. Ihr wart gebührend beeindruckt – und ich schenkte abschließend ganz trockenen, herben Lambrusco ein, um Euch wieder aus den Apfelwolken zu holen… Aufs Stöffche, Ebbelwoi und Äbbler – wenn der nur immer so schmeckte. Danke Herr Schneider!

HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an alle Abonnenten, die sechzehn Plätze am Tisch werden auf Reservierung per Email vergeben, die meinerseits am Samstag vor dem HeinzelCheeseTalk schriftlich bestätigt wird. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von fünfzehn Euro pro Käsegenießer (bar am Ende des Abends), wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheesio!

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