HeinzelCheeseTalk #31: Die Schweiz zum Zweiten – eine Reise zum Vacherin Mont-d’Or am Freitag, 14. Oktober 2016

Die KäseWerkstatt des StadtLandFood-Festivals war kaum abgebaut (es war großartig – Bericht hier!), da ging es auch schon weiter mit dem mehr oder weniger gelbem Stoff, aus dem die Heinzelcheese-Träume sind (bevor dann ganz gleich, am ersten November-Wochenende die Cheese Berlin folgt – save the date!). Am 14. Oktober waren wir nochmals wandern in der Schweiz.

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Weil es letztes Mal so schön war. Und weil Herbst war, und Herbst Vacherin-Zeit ist! Ja, Heinzelcheese ist ein bißchen Vacherin-besessen – mehr über diesen duftenden, kremigen Kerl aus der Vallée de Joux im Jura ist hier nachzulesen. Sein Suchtpotential ist einfach unübertroffen, und wenn es wieder früher dunkel wird, und nasser, und frösteliger, ist jede gemütsaufhellende Droge willkommen. Der große Bruder des Vacherin, sein Sommerpendant sozusagen, ist der Gruyère, und auch den wollten wir erschmecken, sowie einige interessante Cousins und Cousinen. Selbstverständlich mit Wein im Glas, auch (aber nicht ausschließlich) aus der Schweiz.

Suff-Haus-Bubbles aus der Pfalz zum Auftakt, das ist schon beinahe Ritual, am HeinzelCheeseTalk-Freitagabend, diesmal mit kleinen Bouchons apéro, die die Einleitung zur neuen, kreativen Käsefacette der Schweiz bildeten. In Heu kräftig gereifter Ziegenhartkäse, gefolgt von dem ganz milden, einfach nur nach richtig guter Schafsmilch schmeckenden Le Sapalet – es war zugegebenermaßen ein bißchen eine Achterbahnfahrt, und schwierig in eine sinnvolle Reihenfolge zu sortieren. Aber HeinzelCheeseTalker sind flexibel und offen, das habt Ihr einmal mehr bewiesen.

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Im Glas ging es derweil über die deutschen Gestade des Bodensees (Josef Gierers säurefrischer Müller-Thurgau aus Nonnenhorn) auf die Schweizer Seite, das Thurgau (der etwas runder wirkende Müller vom Schloßgut Bachtobel), dann in einem in jeder Hinsicht großen Sprung mit dem Amigne von Bruchez honigduftend ins Wallis. Der kleine Dzorette, mit gerösteten Fichtennadeln auf der Weißschimmelrinde, brachte uns näher zum Kern des Abends, dem Vacherin mit seinem Fichtenrindenring. Die harzduftenden Aromen paßten großartig zum Sauvignon Blanc Sélection Pierre von Rahm aus Schaffhausen, der nicht, wie ich irrtümlich angenommen hatte, etwas Holz gesehen hatte, sondern seine intensiven Fruchtaromen einem Anteil getrockneter Trauben verdankte. Der Chèvre Sanglé (also „rindenberingt“) war ebenfalls ein großartiger Weichkäse, auch hier mit leichtem Anflug von Harz und Wald und Duftigkeit…

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Ein Abstecher ins Vaucluse leitete zum Rotwein über, der sehr vergnügliche Ju de Vie (danke Wernher!), doch dann ging es mit dem dunklen, stoffligen Léon Millot von Lenz aus Uesslingen zurück in die Schweiz (dieser Wein kam wie auch der Amigne und der Sauvignon von Astrid Stump, die gerade einen Schweizer Weinhandel in Berlin-Pankow aufbaut – danke und viel Erfolg!), gefolgt von dem feinen, leisen Pinot Noir no 3 vom Schloßgut Bachtobel. Dazu endlich: Vacherin Mont-d’Or. Mit Rinde, von Patrick Hauser.

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Und Gruyère, glückskristallig gereift… Ein Fest. Weil der Vollmond aber aufs Achterbahnfahren aus war, war damit noch nicht Schluß. Ich hatte vom Käsemarkt in Les Charbonnières für Euch noch zwei Blauschimmelkäse von Willi Schmid aus dem Toggenburg mitgebracht, einst innovative Neukreationen, inzwischen längt fest etablierte Größen: Blaue Geiss und Jersey Blue. Der letzte Wein war trotzdem kein Süßwein (siehe Achterbahn/Vollmond), sondern der von den schweren Böden des Klettgaus geprägte 2009 Urbanus Pinot Noir vom Weingut Clauss, aus der „schweizerdeutschen“ Ecke Badens in Lottstetten, der sich überraschend gut mit der pilzigen Umamiwürze vertrug. Es gibt soviel zu entdecken, in der Schweiz und drumherum. Ihr wart toll!

Ach ja: davon hatten wir es natürlich auch: den Swiss Cheese Awards – 777 Schweizer Käse blind verkostet, und Eure Heinzelcheese mitten drin, selbstverständlich auch mit gelbem Käppi… cheesio und auf wiadaluege mitanand!

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HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). 

Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an eine Mailingliste (auf die man sich hier eintragen kann), dann werden die fünfzehn Plätze am Tisch auf Reservierung vergeben. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von zwölf Euro pro Käsegenießer, wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheerio und cheesio.

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