Heinzelwein-Dreier im April 2020: Back to the Basics. Zuhausebleiben. Mit Riesling, Rosé und Oliver Sacks in New York

Der Heinzelwein-Dreier ist eine monatliche Serie, die Ihr hier abonnieren könnt.

Ich bin neulich nach dem Einfluß der Coronakrise auf meinen Weinkonsum gefragt worden. Mußte einen Moment nachdenken, um dann ganz ehrlich zu antworten, daß sich da für mich persönlich nicht so wahnsinnig viel verändert hat, abgesehen davon, daß im Moment eben erstmal Zuhausebleiben statt Messen, Konferenzen und Vor-Ort-Recherche angesagt ist. Allerdings merke ich – und mich würde natürlich interessieren, wie es Euch in dieser Beziehung geht – daß ich tendenziell eher zu solide, verläßlich Unaufgeregtem greife, wahrscheinlich weil Alltag, Normalität und Routine sich gerade so rar machen, soviel Anderes neu gedacht, formiert und strukturiert werden muß. Deshalb gibt es in diesem Heinzelwein-Dreier zwei „einfache“ Weine – back to the basics.

Trockener Riesling von Martin Tesch, von der Nahe. Muß ich den meisten wahrscheinlich nicht groß erklären, schenke ich ausgesprochen gerne ein – und möchte Euch hier auf die 2018 Basic-Abfüllung in der Literflasche hinweisen. Die bringt all die gewohnte herbe grüngelbe Frucht und reife, kitzelnde Säure ins Glas, die einen nach einem langen, komplizierten Tag aufatmen lassen, und ist dabei doch ein wenig entspannter als der straffe Unplugged oder die komplexen Lagen-Rieslinge. Außerdem ist das schwarzweiße Tanke-Etikett witzig – die umweltverträgliche Form des Auftankens ;)!

Krise hin oder her und allen aprilgemäßen Schneeschauern zum Trotz: der Frühling läßt sich nicht aufhalten. Ja, stimmt, das ist eine Platitüde, und wenn ich Euch jetzt noch mit einem Rosé komme, poppt sofort ganz groß KLISCHEE vor Eurem inneren Auge auf. Aber mal ganz ehrlich: wenn schon kein Picknick im Park, kein Bärlauchfestessen am großen Küchentisch, keine Osterparty mit der Familie stattfinden kann? Drink pink! Auf Alexander Flicks 2019 Flickwerk Rosé trocken aus Bechtolsheim in Rheinhessen bin ich durch die Kampagne eben dieses Namens des Deutschen Weininstituts gestoßen. Erdbeerkirschgoldfarben, in den Aromen an süße Kirschen und reife rote Paprika erinnernd und im Geschmack ähnlich ausgewogen zwischen süß und herzhaft schwingend. Aus Lemberger und Spätburgunder. Für Frühlingsgefühle in Zeiten der Krise.

Krise. Die jeder von uns anders erlebt und versucht zu meistern. Ich lese gerade sehr viel, und stricke (sehr therapeutisch!), und sitze in der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker – und merke, wie dankbar ich für diese Dinge bin. Deshalb wollte ich Euch eigentlich etwas aus dem Gedichtband catalog of unabashed gratitude von Ross Gay offerieren. Und für Panikmomente nochmals an Wendell Berry und The Peace of Small Things erinnern. Doch irgendwie, eigentlich, war das alles nicht richtig – bis mir Insomniac City des Fotografen Bill Hayes in die Hände fiel, Beobachtungen, Gedanken, Tagebuch-Eintragungen seines Lebens mit dem Neurologen und Schriftsteller Oliver Sacks, in New York City, und ich auf folgende, schlichte Stelle stieß:

9-15-11
7.15 P. M., O on the phone, without even saying hello: „Billy! Shouldn’t one be on the roof? The sun is setting!“

I: „Yes, one should!“

O: „I will meet you there!“

I: „I will bring a bottle!“

Paßt auf Euch auf, und bis hoffentlich bald, mit Flasche, bei Sonnenuntergang.

Die Idee dieser monatlichen Empfehlungen: Zwei Flaschen, und zu den flüssigen Geschichten außerdem eine in Worten, oft in Gedichtform – das ist der Heinzelwein-Dreier. Kein Verkaufsformat, sondern der Versuch, zumindest einen Teil dessen, was mir so an Wein begegnet, mit Euch zu teilen – abonnieren könnt Ihr diese Serie hier. Und damit Ihr nicht lange suchen müßt: den Riesling könnt Ihr hier bestellen, den Rosé gibt es (per Email) hier, und Insommiac City hier. Das erwähnte Online-Magazin, Planet of the Grapes, findet Ihr hier. Trinken, schauen, schmecken, denken, leben müßt Ihr wie immer selbst – keep safe!

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2 Gedanken zu „Heinzelwein-Dreier im April 2020: Back to the Basics. Zuhausebleiben. Mit Riesling, Rosé und Oliver Sacks in New York“

  1. Liebe Heinzel,

    vielen Dank für die Präsentation des Weinguts Tesch. Die Literflasche ist zwar nicht so mein Ding und das Etikett hat mich auch eher weniger angesprochen.
    Die Website des Guts ist aber sehr interessant und es nicht allzu weit von meiner Heimat Aschaffenburg entfernt und somit für mich ein lohnenswertes Ausflugsziel für die Zeit „nach Corona“.

    Der Inhaber erläutert in seinem Klartext interessante Aspekte, z.B. zum Drehverschluss.

    Ich habe gleich einige Flaschen, allerdings nicht den hier Beschriebenen, bestellt.

    Ein Riesling von Tesch dürfte die Begleitung zum Fisch an Karfreitag sein.

    Liebe Grüße

    Andreas Heinz

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