Heinzelcheesetalk #68: Käse mit Begleitung – wie süß hättet Ihr’s denn gern? Freitag, 13. Dezember 2019

Wer mich ein bißchen länger und besser kennt, weiß, daß ich nicht unbedingt auf süße Beigaben zu Käse und Wein stehe. Letztere beide bringen schon soviel mit, und die Süße hebelt all die wunderbaren Aromen ganz schnell ins Abseits… Aber in dieser vorweihnachtlichen Stimmung, wenn es nach Plätzchen und Glühwein duftet, werden selbst die Heinzelcheese-Grundsätze in den Hintergrund gedrängt. Warum nicht einfach mal ausprobieren, neu hinschmecken, vielleicht ganz Unverhofftes entdecken. Darum geht es schließlich immer wieder bei unseren Treffen.

Deshalb hatte ich eine Auswahl ganz unterschiedlicher Käse mitgebracht (unter anderem den Käse des Monats vom Dezember!), dazu Süßes und Fruchtiges in verschiedener Form, und natürlich entsprechende Weine. Und Ihr wart großartig, offen für alles und auf beeindruckende Weise organisiert – die meisten von Euch probierten tatsächlich alles aus: die sechserlei Käsemarmeladen von Tanja Leis, die dreierlei Weinperlen von Yana Steudel, die Mostarda, die Quittenpaste UND die anatolischen Honigwaben!

Wir begannen mit einem Schluck ganz trockenem PetNat, dem unfiltrierten Menti aus Gambellara im Veneto (danke Suff!). Der erste Käse war ein Ziegenkäse in Schiffchenform von Scellebelle, dem Ziegenhof von Sabine Jürß in Münster, bei dem wir zum 2016 Narince von Kayra übergingen. Eure Brettchen waren schon gut gefüllt mit Süßem, trotzdem gefiel Euch der ganz trockene Wein, ein ausgesprochen einfühlsamer Käsebegleiter, ebenso gut wie mir, auch zum folgenden leicht geräucherten Scamorza aus Apulien. Die Töpfchen und Gläschen machten stetig die Runde, ins Weinglas kam der trockene, gelbfruchtig geradlinige 2017 Michelberg Riesling von Alexander Pflüger, auf die Bretter der Ficaccio von Madaio aus Kalabrien, ein weicher Schnittkäse aus halb Kuh-, halb Büffelmilch in Feigenblättern gereift. An sich schon „süß“ und wonnig… ebenso wie der folgende 12-monatige Remeker Ryp der Familie van de Voort aus den Niederlanden und ihrer großartigen Herde von Jerseykühen. Dazu schenkte ich Euch die feinherbe 2018 Scheurebe aus Dienheim vom Weingut Dr. Becker ein, mit wunderbaren Blutorangen- und Grapefruitaromen – was die süßen Begleiter erstmal etwas zur Seite drängte.

Dann – für manche am Tisch: endlich ;) – Rotwein! Dreimal Valpolicella aus dem alteingesessenen Haus Tommasi. Zuerst leicht und beschwingt als Superiore der 2017 Rafaèl, ein erfrischender Begleiter zum Castelmagno di montagna, gut ein halbes Jahr gereift, quasi ohne blau, ganz leise, und doch so lang, und würzig… Der etwas rundere 2016 Ripasso gefiel Euch allen besonders gut; er begleitete ebenso erfrischend und dezent Joe Schneiders buttrig-säuerlich-großartigen Stichelton.

Schließlich zweierlei Pecorino: knapp ein Jahr gereift der geräucherte Fiore Sardo von Gianfranco Bussu/Debbene aus Macomer in Sardinien, zwei Jahre gereift der vor Umami strotzende, nach Hühnerbrühe duftende aus Kalabrien, den ich vom Borough Market in London mitgebracht hatte. Beide verdeutlichten, wie traditionelle Mittelmeerkäse mit der Reife etwas trocken daherkommen und sich deshalb über ein Löffelchen Frucht und/oder Süße freuen. Wir gaben ihnen erst einmal den gehaltvollen 2011 Amarone Riserva Ca‘ Florian zur Seite, was zeigte, daß 15,5% Alkohol auch nicht umhilfreich sind in diesem Fall, und dann, quasi als Dessert, einen Schluck vom edelsüßen Verduzzo von Marco Sara aus dem Friaul.

Viele der Töpfchen und Gläschen waren beinahe geleert, der Honig längst verschwunden, Ihr von einer ruhigen, friedvollen Sättigung erfüllt – beste Voraussetzung für ein entspanntes Jahresende. Unsere Endrunde als Zusammenfassung ergab: was mir sowieso schmeckt, paßt auch, und zuviel Süßes zu Käse und Wein muß nicht sein. Aber Ihr hattet einige persönliche Highlights:

1. Mostarda zu allem
2. Fiore Sardo mit Honig und Ripasso
3. Scamorza mit Mostarda und Narince
4. Scheurebe und Remeker, ohne Süßes
5. Riesling, Ficaccio und Pedro Ximenez-Perlen
6. Narince und Scellebelle, ohne Süßes
7. kalabrischer Pecorino, edelsüßer Verduzzo und viel Quittenpaste
8. Holländer (Remeker) und Türke (Narince)
9. Remeker und Pedro Ximenez-Perlen
10. Quitten- und Birnenmarmelade zu allem – und Yuzu-Sake-Perlen zur Erfrischung
11. Stichelton und Ripasso, ohne Süßes
12. Pedro Ximenez-Perlen zu allem, immer
13. Fiore Sardo und Amarone, ohne Süßes
14. Kumquat- und Weinbergspfirsichmarmelade, generell

Ich danke Euch für diese Erkenntnisse, und Eure treue Begleitung durch ein ausgesprochen prall gefülltes Jahr – auf viele weitere und laßt Euch nicht zu sehr vom Merrymerrymerry-Trubel stressen, sondern genießt diese Tage – cheesio!

HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an alle Abonnenten, die sechzehn Plätze am Tisch werden auf Reservierung per Email vergeben, die meinerseits spätestens am Samstag vor dem HeinzelCheeseTalk schriftlich bestätigt wird. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von fünfzehn Euro pro Käsegenießer (bar am Ende des Abends), wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheesio!

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