Heinzelcheesetalk #65: Das Beste und Spannendste von der Slow Food Cheese in Bra/Piemont. Freitag, 11. Oktober 2019

Hurra! 2019 ist ein Doppel-Cheese-Jahr! Will sagen: zusätzlich zu „unser“ jährlichen Cheese Berlin im November (8.-11.) gab es gerade die alle zwei Jahre stattfindende Slow Food Cheese in Bra im Piemont. Die Urmutter aller echten Käsebegegnungen. Ein Fest. Inspiration, Überblick. Treffen der weltweiten Community. Und sooo viele großartige und spannende Käse… Natürlich war ich dort – und mein Koffer war wohl gefüllt auf dem Heimflug. Für Euch.

Zusammen schmeckten wir uns durch eine Auswahl von Käse, die im Piemont mit dem Crampiolo von Castagna begann, einem halbfesten, feinsäuerlichen Alpkäse vom Mai dieses Jahres, aus Rohmilch von Weiden um 1200m, dem Vorsäss der bekannteren Bettelmatt-Alpen. Dazu gefiel Euch der unfiltrierte, herbe PetNat von Menti aus Gambellara im Veneto. Dann zogen wir weiter im Norden des Piemont das Ossola-Tal hinauf zu Roberto, der auf 1800m gut 50 Kühe melkt. Bei Luigi Guffanti hatte ich nicht nur seinen feinsüßlichen Toma erstanden, sondern auch zwei Reifestufen des leicht geräucherten Ricotta, den er aus der Molke macht. Vom August etwas salziger, vom Juni ein Umamikonzentrat, das wir uns alle gut in der Küche vorstellen konnte – umgeschwefelter Pinot Grigio von Sumenjak aus Slowenien paßte gut, noch besser aber die schmelzig-mineralische Art des 2016 Chardonnay Méthode Ancienne von Springfield Estate aus der Halbwüste von Robertson in Südafrika.

Das große Käse-Wein-Kino setzte sich fort mit dem Castello di Roy, einem vier Monate alten Ziegenkäse, der in seiner bröckeligen Art („pasta rotta“) dem altehrwürdigen Castelmagno nachempfunden ist. Castagna bezieht ihn von einem alten Herrn, der in dem Hochtal ganz im Westen des Piemonts nur wenige Ziegen melkt. Die orangenfruchtige Riesling-Säure des St. Remigiusberg von Martin Tesch von der Nahe dockte sich an Bergluft und Lebendigkeit an und hatte aufgrund der reifen Art dieses warmen Jahrgangs (erinnert Ihr Euch an den letztjährigen Sommer?!?) auch keine Probleme mit der aromatischen Rinde.

Dann zogen wir mit dem kirschfruchtigen Barbera d’Alba von Mauro Molino (ja, den und den Sumenjak und den Menti gibt es bei den Suffköppen) im Glas zurück ins Piemont, auf den Käsebrettchen jedoch nach Molise. Von dort bzw. aus Bra hatte ich einen neun Monate gereiften Cacciocavallo der Extraklasse mitgebracht, das Gegenteil der üblichen Langeweile dieser Käse. Die Familie di Nucci macht seit dem 17. Jahrhundert Käse. Was sich deutlich schmecken ließ… Ganz anders und genauso gut dann der Appalachian (wir sprangen diesmal wirklich von Kontinent zu Kontinent!) von Meadow Creek Dairy im Westen von Virginia, an den Hängen der Appalachen. Die üppige Jersey-Milch war deutlich zu schmecken, beinahe wie „Nutella in Käseform“, was super zu den Champignon-Aromen der weißen Rinde paßte.

Ganz anders nach diesem Schmeichler, nämlich vornehm zurückhaltend und würzigmineralisch und komplex, der gereifte Alpha Tolman von Jasper Hill aus dem Norden von Vermont, an der kanadischen Grenze. Mateo Kehler, einer der beiden Gründer, war selbst in Bra – und vielleicht kommt er ja nächstes Jahr nach Berlin… Ich freute mich erstmal hier und jetzt, für Euch im Keller zu dem 2014 Barolo Cannubi von Damilano gegriffen zu haben, der dem Käse an Eleganz in nichts nachstand. Das Leben ist manchmal gräßlich und schwierig – aber dann auch wieder einfach wunderbar!

Schließlich das grande finale mit den Bayley Hazen Blue, ebenfalls von Jasper Hill. Erinnert in der Form an Fourme d’Ambert, zeigt aber dann in der Textur und den Aromen, wieviel großartige, nicht pasteurisierte Milch ausmachen kann. Verlieh dem streichelweichen 2011 The Work of Time aus Cabernet Franc, Merlot, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot von Springfield zu Brillanz und zauberte Euch allen ein versonnenes, glückliches Lächeln auf die käseliebenden Gesichter…

Was sich mit dem letzten Wein, 2017 Gewürztraminer von Franz Haas aus dem Südtirol, noch vertiefte. Grazie, carissimi, ciao, cin cin e sempre buon formaggio!

HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an alle Abonnenten, die sechzehn Plätze am Tisch werden auf Reservierung per Email vergeben, die meinerseits spätestens am Samstag vor dem HeinzelCheeseTalk schriftlich bestätigt wird. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von fünfzehn Euro pro Käsegenießer (bar am Ende des Abends), wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheesio!

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