Heinzelcheesetalk #50: Bubbles! Freitag 22. Juni

Beinahe exakt vor vier Jahren haben wir uns zum ersten Mal getroffen, am großen Tisch gegenüber vom Weinstand der Suffköppe in der Markthalle Neun, um zusammen Käse und Wein zu verkosten. Ihr seid mir seitdem treue Freunde auf der Erkundungsreise durch die Käsewelt geworden. Wir haben uns durch Butter, Cheddar, Camembert und Parmesan geschmeckt, haben die turophilen Seiten Anatoliens, Polens und Irlands erforscht, die Halle in der Sommerwärme und Winterkälte erlebt. Kurzum, Ihr habt mich auf dem Weg zum nächsten Buch begleitet, dessen Taufe wir am 4. Oktober bei den Goldhähnen zusammen feiern werden.

Doch zuerst wollten 50 Heinzelcheesetalks gefeiert werden, und wer mich schon ein bißchen länger kennt, weiß, daß das Schäumende im Glas da mehr als naheliegt. Thema war also: Bubbles! Ganz unterschiedlicher Art, von PetNat über Cava bis zu Riesling-Sekt  und Champagner. Und noch viel Überraschenderes. Was paßt dazu an Käse? Ausnahmsweise hatte ich mir ganz bewußt Kombinationen überlegt.

Wir begannen mit schlankem, erfrischenden Cava zum Einstieg, verlässliche Bioqualität von Azimut, um dann gleich dem Anlaß entsprechendend mit Champagner weiter zu machen: der großartige, herbfruchtige Brut Nature Rosé von Drappier, mit Chaource, dem Klassiker aus der Champagne. Gefiel Euch allen, manchen mit, anderen besser ohne Rinde. Es folgte der achtungsgebietende, 92 Monate auf der Hefe gelagerte Riesling aus der Lage Goldloch vom Weingut Diel an der Nahe. Ganz großes Bubbles-Kino, bei dem man schon ein bißchen gerade sitzen mußte und sich konzentrieren. Vertrug sich ziemlich gut mit dem Langres, dem anderen Käseklassiker aus der Champagne.

Danach ging nur noch ganz anderes, nämlich der unfiltriert abgefüllte Roncaie aus Garganega, von Menti in Gambellara im Veneto. Die Hefewolken sorgten für ein ganz anderes Mundgefühl, was sich bestens mit der Schafsmilchsüße des jungen Pecorinos vertrug, den ich von Argiolas Formaggi aus Sardinien mitgebracht hatte. Mit dem nächsten Wein blieb es wolkig im Glas: der PetNat von Carolin und Erik Riffel aus Bingen im nördlichen Rheinhessen brachte aber trotzdem ganz andere Aromen ins Spiel, weil er aus Weißburgunder und Scheurebe besteht. Wie dafür gemacht erschien uns Aurelie, ein leicht gereifter Frischkäse aus Ziegenrohmilch von Giedo de Sneijder aus Lummen in Belgien. Er duftete mit dem Wein um die Wette, hatte genau die richtige Säure und Intensität und fand den Hefegrip im Glas einfach Klasse.

Dann wiederum ganz anders, nämlich rot, dezent, und ohne Wolken: 2011 Spätburgunder Brut (immerhin 60 Monate auf der Hefe!) von der Familie Kauer in Bacharach am Mittelrhein. Ganz feine Beeren, eine elegante Rundheit… Der Schafskäse von Stéphane Rotily Forcioli aus dem Süden Korsikas, mit dem mich vor ein paar Tagen Heinzelcheesetalker Florian Kunzeüberrascht hatte, war ein Experiment dazu – was bestens gelang, weil sich der Käse als nur schwach gesalzen und angenehm zurückhaltend entpuppte.

Wir blieben bei rot mit dem ganz trockenen, ganz saftigen Lambrusco Ortigara Brusch Nature von Quarticello, sehr klassisch begleitet von jungem (13 Monate) Parmigiano Reggiano von der Casearia di Sant‘ Anna, und unterhielten uns ein bißchen über die kulinarischen Freuden der Emilia Romagna und dem italienischen Konzept der vini sgrassanti, der „entfettenden Weine“… um dann zum Schluß nochmal so richtig zuzuschlagen ;-): im Glas duftete es nach Zimt und Nelken und Piment und Weihnachten, auf dem Brett kremte es ganz wunderbar. Der Frederiksdal Sparkling aus Stevnsbær-Sauerkirschen mit Birnen von der Insel Holland im Süden von Dänemark ist unvergleichlich, er schwebt über allen üblichen Kategorien von trocken und fruchtig, und die Blaue Kornblume von der These Mejeri im Norden Dänemarks schwang sich mit ihm in die jubelnden Lüfte.

Auf die nächsten 50 – ich danke Euch, ich danke den Suffköppen, ich danke der Markthalle. Serendipity sei gepriesen.

PS Da nichts immer wie immer bleibt, stelle ich gerade die Mailingliste auf ein Abo-System um, und es gibt außerdem ab sofort den monatlichen Heinzelwein-Dreier. Beides könnt Ihr hier abonnieren.

HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an alle Abonnenten, die fünfzehn Plätze am Tisch werden auf Reservierung per Email vergeben, die meinerseits am Montag vor dem HeinzelCheeseTalk schriftlich bestätigt wird. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von zwölf Euro pro Käsegenießer (bar am Ende des Abends), wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheesio!

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