Heinzelwein-Dreier im Juni 2018: Bubbles und Blues

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Es ist endlich Sommer, hier in Berlin, und der Blues ist keine von Chet Baker melancholisch begleitete Wintersehnsucht mehr, sondern der großartig leuchtende blaue Himmel. Frisches saftiges Grün allerorten, die Vögel kriegen sich gar nicht mehr ein, und die ersten Grilladen überschneiden sich mit den letzten drei Wochen der Spargelsaison. Also: feiern! Leben feiern. Mit Bubbles im Glas, schäumendem Wein, der tanzt und kitzelt und die Schmetterlinge im Bauch zum Flattern bringt.

Ein Italiener für jeden Tag, perfekt als Apero, Sundowner, Terrassen- und Bootstegwein, zu Salat, Gemüsigem, Käsigem – Ihr merkt schon, einfach immer. Der Despina von Roberto Maestri vom fünf Hektar kleinen Weingut Quarticello in Reggio Emilia ist ein Malvasia Frizzante, hat also ein bißchen weniger Bubbles als ein Spumante, dafür aber die ganze Hefe, die ihn zu seinem schäumenden Wesen verholfen hat (vor dem Öffnen vorsichtig schütteln!). Er duftet nach getrockneten Rosenblättern, ist geschmeidig und doch herb, die Säure prägnant und doch wunderbar rund. Man kann das als Natural Wine bezeichnen, oder aber einfach ohne jede Kategorie trinken…

Weil nicht jeder Tag ein Alltag ist, sondern manchmal ein ganz besonderer, sei Euch auch dies ans Weinherz gelegt: die Cuvée Mo vom Schloßgut Diel an der Nahe. Eleganz ist eine viel zu abgedroschene Beschreibung für diesen Wein aus Weiß- und Spätburgunder aus dem Jahrgang 2008, der sage und schreibe 92 Monate in der Flasche auf der Hefe lag – ja, ich mußte auch erst nachrechnen, das sind sieben (sieben!) Jahre und acht Monate. Das ist kein lustiges kleines Schäumerchen zum Anstoßen, sondern ein tiefer, anspruchsvoller, ausgesprochen kräftiger Wein, der zu Recht nach einem großen Glas und viel Luft und Hingabe verlangt (und die Investition mehr als rechtfertigt). Hier duftet es nicht mehr einschmeichelnd nach Brioche, Honig und Butter, und auch nicht nach frischen Champignons und Waldboden (alles „typische“ Champagner-Aromen), sondern (und Achtung, das ist jetzt ein ebenso anspruchsvoller Vergleich) so, wie ich mir Meeresboden vorstelle, wenn frau ihn denn riechen könnte…

Was uns zurück zum Blau bringt, und zum poetischen Teil dieses Dreiers. Virginia Woolf schrieb am 9. April 1937 in ihrem Tagebuch:

“Such happiness wherever it is known is to be pitied for tis surely blind.” Yes, but my happiness isn’t blind. That is the achievement, I was thinking between 3 and 4 this morning, of my 55 years. I lay awake so calm, so content, as if I’d stepped off the whirling world into a deep blue quiet space and there open eyed existed, beyond harm; armed against all that can happen. I have never had this feeling before in all my life; but I have had it several times since last summer: when I reached it, in my worst depression, as if I stepped out, throwing aside a cloak, lying in bed, looking at the stars, these nights at Monks House. Of course it ruffles, in the day, but there it is.

Und wenn sich der Blues tatsächlich trotz Vogelgezwitscher und Blütenpracht von seiner dunklen Seite zeigt, dann helfen die Bubbles auch darüber hinweg. Versprochen.

Die Idee dieser monatlichen Empfehlungen: Zwei Flaschen, ganz unterschiedlich, und zu den flüssigen Geschichten außerdem eine in Worten, in Gedichtform – das ist der Heinzelwein-Dreier. Kein Verkaufsformat, sondern der Versuch, zumindest einen Teil dessen, was mir so an Wein begegnet mit Euch zu teilen – abonnieren könnt Ihr ihn hier (Bezugsquellen, fragt Ihr? Entweder direkt vom Erzeuger, oder Ihr befragt unseren guten Freund, das Internet ;-). Cheerio.

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