HeinzelCheeseTalk zum Achtzehnten: Tutto Cacio e Formaggio. Freitag, 25. September 2015

Heinzelcheese fährt mit deutschem und österreichischem Alpkäse sowie Riesling vom Rhein nach Italien auf die Slow Food Cheese in Bra/Piemont – und kommt mit dem besten, feinsten und ungewöhnlichsten formaggio und cacio für Euch zurück. Wenn das kein Deal ist… Auf der Cheese (deren Berliner Ausgabe am 1. November zum vierten Mal in der Markthalle Neun stattfindet, unbedingt vormerken!) treffen sich die spannendsten Käsemacher, Affineure und Händler aus der ganzen Welt; es wird verkostet, verglichen und diskutiert.

italian cheeseUnd natürlich gegessen und getrunken, alles umrahmt vom mittelalterlichen Ortskern des (normalerweise) beschaulichen kleinen Städtchens Bra. Ich hatte für Euch eine gefühlte Tonne Käse mitgebracht (nur gut, daß die Kontrollen am Flughafen in Mailand im allgemeinen sehr entspannt sind) und daraus die Ubriachi, die besoffenen ausgewählt. So heißen in Italien die Käse, die in Trester, also den beim Weinmachen ausgepressten Traubenhäuten- und kernen reifen. Fasziniert haben mich die schon lange, aber der Anstoß kam auch von Peter Siener, Winzer in Birkweiler/Pfalz, der neulich bei einer Probe wie beiläufig sagte, „Ach übrigens, im Trester von diesem Wein (2009 Birkweiler Spätburgunder) habe ich mehrere Laibe Schweizer Alpkäse reifen lassen, möchtest Du probieren?“ Logisch wollte Heinzelcheese. Der Käse war sehr entwickelt, die nussige Süße ganz verschwunden, anspruchsvoll. Mit „seinem“ Wein kam er wegen der Tannine nicht mehr zurecht, ich habe ihn aber später mit einem trockenen, honigduftig üppigen jungen Grauburgunder von Daniel Schmitt aus Flörsheim-Dalsheim verkostet, der ihm neues Leben verlieh.

Beim HeinzelCheeseTalk gefiel Euch allen der Bra al Barolo von Occelli zum Langhe Nebbiolo der Suffs von Mauro Molino (und es war eine echte Entdeckung, wie sich der solo ziemlich salzige Bra Duro der Familie Rabbia mit dem superschönen Suff-Soave zum Positiven veränderte). Von der kroatischen Insel Pag hatten wir den Paški Sir von Sirana Gligora, sehr traditionellen Schafskäse, in „purer“ und trestergereifter Form, beides hervorragend. Denselben Vergleich stellten wir mit Caciocavallo aus Apulien an, den ich in der (wunderschönen, wärmstens empfohlenen) Markthalle von Turin entdeckt hatte. In einem großartigen Beispiel von glücklicher Fügung (serendipity!) hatte Wernher einen Primitivo Apassito aus Apulien mitgebracht, also exakt den Wein, dessen Trester seinen fruchtfrischen Einfluß auf den Käse ausgeübt hatte, ihm Komplexität verlieh und zugänglicher machte.

Euer, unser Favorit war dann schließlich der Roccolo Divino von CasArrigoni aus dem Valtaleggio/Lombardei. Der Roccolo ist ein relativ neuer Käse, der ähnlich wie die Tomme Crayeuse von Schmidhauser aus der Savoie in der Mitte säuerlich-quarkig bleibt, unter der Rinde aber kremig reift, mit  an Champignons erinnernden Noten. Beim „göttlichen“ Divino kommt zusätzlich eine Reifezeit in und dicke Kruste von Raboso-Trester hinzu… Insgesamt kein schlechter Start ins Wochenende. Ihr wart wie immer großartig, offen und konstruktiv-kritisch – Grazie tanto e a presto!

Wie meistens der Fall habe ich es nicht geschafft, die Käse vorher zu fotografieren – bei meiner Ein-Frauen-Show hat das Schneiden und Eingießen für Euch immer Priorität – aber hier sind die Reste und die leeren Flaschen.

Ubriachi close

bottles Ubriachi

HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an eine Mailingliste, dann werden die Plätze am Tisch auf Reservierung vergeben: wer schnell genug ist, ist dabei! Bitte sagt aber Bescheid, wenn Ihr dann doch nicht kommen könnt – es gibt immer eine Warteliste. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von zehn Euro pro Käsegenießer, wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheesio!

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