Heinzelwein-Dreier im März 2019: Neue schwarze (und weiße!) Mädchentraube und Nadine Olonetzkys Gedanken zur schmeckbaren Landschaft

Der Heinzelwein-Dreier ist eine monatliche Serie, die Ihr hier abonnieren könnt.

Schwarze Mädchentraube klang früher ähnlich wie Rosenthaler Kadarka: rot und süß und, seien wir ehrlich, nicht wirklich gut. Aber Mauern können fallen, Kadarka kann ein großartiger, sehr lebendiger und feiner Wein sein (vor allem aus dem ungarischen Szekszárd, obgleich die Sorte an sich aus Nordalbanien stammt – aber das ist eine andere Geschichte), und die Mädchentraube hat mich vor kurzem sehr überrascht. Sie gehört zu den autochthonen Sorten Rumäniens und heißt dort Fetească Neagră beziehungsweise in der weißen Version Fetească Albă und Regală. Von der Regală (eine Kreuzung aus der an pürierte Äpfel erinnernden runden Alba und Furmint) gibt es ziemlich viel, und in den besten Fällen bringt sie viel vergnügliche saftige Frucht ins Glas. Ihre schwarze Schwester hingegen ist durch die politischen Wirren vom Merlot beinahe verdrängt worden.

Aber ich bin fest überzeugt, daß dieses Mädel eine große, strahlende Zukunft vor sich hat. Denn sie kann viel. Einerseits rund, zugänglich und gefällig, wie in dem Wein aus noch sehr jungen Reben von Liliac, der mit schwarzen Johannisbeeren- und Paprika-Aromen gestreßte Gemüter umfängt und beruhigt, pizza-, pasta- und steak-kompatibel ist. Und andererseits ist da der elegante, filigrane und vibrierende Wein von Nachbil, für die entspannten Momente, wenn das Hirn auf Empfang steht und nicht mehr bürogeschlaucht ist. Beide Weine sind in Transsylvanien im Norden Rumäniens gewachsen, doch beim Nachbil hat Edgar Brutler, der zusammen mit seinem Vater Johann das alte Familienweingut führt, bewußt auf Frische gesetzt (außerdem wird hier beim An-und Ausbau ökologisch und naturnah gearbeitet). Der Stil erinnert mich an die Blaufränkisch-Weine von Roland Velich/Moric. Wow.

Ich war noch nie in Rumänien. Ich höre die Mädels rufen… In dem wunderschönen Buch Belichtungen von Nadine Olonetzky (von dem Ihr an dieser Stelle noch mehr lesen werdet und das mir ganz zufällig begegnet ist – danke Serendipity und Annette Beger!) habe ich das hier gefunden:

Blau

Wenn man den Deckel vom Glas schraubt, riecht man den Wald. Ein Löffel davon in den Mund: das Moor. Süß.Die Föhren, Birken, die trockenen Nadeln. Der Wind, der über die rötlich schimmernden Seen streicht. Jetzt süß. Auch die Bären, Rentiere, Pilze, die Straße, die nordwärts führt durch den Wald. Süß. Und die lange Winternacht? Die Heidelbeeren haben sie in ihr Blau verwandelt.

Ich wünsche Euch viele schöne blaue Stunden mit den Fetească-Mädels.

Die Idee dieser monatlichen Empfehlungen: Zwei Flaschen, ganz unterschiedlich, und zu den flüssigen Geschichten außerdem eine in Worten, in Gedichtform – das ist der Heinzelwein-Dreier. Kein Verkaufsformat, sondern der Versuch, zumindest einen Teil dessen, was mir so an Wein begegnet, mit Euch zu teilen – abonnieren könnt Ihr diese Serie hier. Und damit Ihr nicht lange suchen müßt: hier gibt es die Weine und hier das Buch von Nadine Olonetzky.. Trinken, lesen, schmecken, denken müßt Ihr wie immer selbst.

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