Heinzelwein-Dreier für den Januar 2019: Goethe, das nicht immer offensichtliche Glück und schäumender Rosé

Der Heinzelwein-Dreier ist eine monatliche Serie, die Ihr hier abonnieren könnt.

Es war ein volles, intensives Jahr in so vielerlei Hinsicht. Die nicht endende Trockenheit schien manchmal wie Blei, Leichtigkeit wurde zum raren Gut – und deshalb sorgen wir zumindest im Glas jetzt und hier gleich mal vor. Zweimal Rosé, schäumend und leichtfüßig (ja, stimmt, gibt es bei Heinzelwein öfter – siehe eingangs).

Der 2015 Reserva de la Musica von Jané Ventura aus dem Penedés ist ein Cava aus Garnatxa Negra, oder Grenache Noir. Diese rote Sorte kann als Rotwein so üppig wie eine große Wolldecke ausfallen – und doch steckt auch eine ganz andere Seite in ihr. Als Brut Rosé perlt sie hier ganz fein mandelkirschduftig, weil die Trauben beinahe direkt gepreßt wurden, statt mit den Häuten im Fass zu vergären. Ein Wein, der uns hoffentlich zum Lächeln bringt, und an unsere eigenen verborgenen Seiten erinnert…

Wie auch der 2014 Sumaré von Tenute Rubino aus Brindisi in Apulien, ein schäumender Rosé Brut aus einer lokalen Rebsorte namens Susumaniello. Ich habe leider noch keinen reinsortigen Susumaniello-Rotwein probiert, aber Jancis Robinson schreibt, es handle sich um ausgesprochen dunkle Weine mit lebhafter Säure. Nach über 24 Monaten Flaschengärung singt diese Säure eindrücklich von der Adria und dem Leben im Süden, hat Kraft ohne Schwere und sich am zweiten Tag mit etwas Luft (und in einem großen Glas!) noch mehr entfaltet. Muskeln ohne Protz… genau, was uns 2018 so oft gefehlt hat.

Rechtzeitig zum Jahresende schenkte mir ein Freund eine philosophisch-literarische Analyse der Anleitungen zum Glück bei Goethe. Ich bin nicht mit allem darin einverstanden, aber der Ansatz ist genau richtig: „Gedenke zu leben! Wage es, glücklich zu sein!“

Hier ist Goethes „Lebensregel“, aus der von ihm mit herausgegebenen Zeitschrift „Chaos“, zum 25. Oktober 1828:

Willst Du Dir ein gut Leben zimmern,
Mußt um’s Vergangene Dich nicht bekümmern,
Und wäre Dir auch was verloren,
Erweise Dich wie neu geboren;
Was jeder Tag will? sollst Du fragen,
Was jeder Tag will wird er sagen!
Mußt Du Dich an eignem Tun ergötzen,
Was Andre tun, das wirst Du schätzen;
Besonders keinen Menschen hassen,
Und das Übrige Gott überlassen.

Modern übersetzt und weniger poetisch: Hör hin, sieh hin, sei aufmerksam und bereit für Unvermutetes, Unverhofftes („Gott“ darf jeder nach Bedarf mit Adäquatem ersetzen).

Ich wünsche Euch und uns allen für 2019 Leichtigkeit und Offenheit und danke Euch für Eure Zuwendung und Unterstützung. Cincin und cheerio!

Der Heinzelwein-Dreier ist eine monatliche Serie, die Ihr hier abonnieren könnt.

Die Idee dieser monatlichen Empfehlungen: Zwei Flaschen, ganz unterschiedlich, und zu den flüssigen Geschichten außerdem eine in Worten, in Gedichtform – das ist der Heinzelwein-Dreier. Kein Verkaufsformat, sondern der Versuch, zumindest einen Teil dessen, was mir so an Wein begegnet, mit Euch zu teilen – abonnieren könnt Ihr diese Serie hier. Und damit Ihr nicht lange suchen müßt: hier gibt es den Jané Ventura und hier den Sumaré. Trinken, lesen, schmecken, denken müßt Ihr wie immer selbst.

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