Heinzelcheesetalk #49: Irland – was tut sich auf der Insel beim Käse? Freitag, 1. Juni 2018

Irland hat eine sehr lebendige handwerkliche Käseszene, und ich hatte Euch eine Auswahl direkt aus Dublin von den Sheridans mitgebracht. Die Brüder sind sozusagen das Neal’s Yard Dairy Irlands und immer ganz vorne mit dabei (sie haben auch ein sehr lesenswertes Buch zum Thema veröffentlicht).

Wir begannen ganz am Anfang, mit dem Milleens aus dem äußersten Südwesten der Insel, mit dem Veronica Steele 1978 die Renaissance der handwerklichen Käseszene begründete. Jeweils ein Jahr später folgten ihre Nachbarinnen Jeffa Gill und Gina Ferguson, mit Durrus und Gubbeen. Alle drei sind Weichkäse mit gewaschener Rinde und den örtlichen Kulturen, und doch sind alle drei von ganz unterschiedlichem Charakter – Eure Favoriten waren Milleens und Gubbeen. Dazu tranken wir zuerst den wunderbaren Garganega-PetNat von Menti und beschäftigten uns dann mit drei ganz verschiedenen trockenen Silvanern der Ethos-Gruppe, einem Zusammenschluss junger, dynamischer fränkischer Winzer. Zum Käse gefiel Euch besonders der kräftiger Quaderkalk von Markus Schmachtenberger aus Randersacker.

Da waren wir nach dem sehr interessanten, aromatischen Humming Bark (noch ein kleiner geschmierter Weichkäse, dieser aber wie ein Vacherin zusätzlich mit einer Fichtenrinde ummantelt von Carrigbyrne aus Wexford) bereits bei unserem Trio von Hartkäsen. Der Coolea von Dick Willems aus Macroom ist ein Klassiker: 18 Monate, nach brauner Butter duftend und ganz sämig statt bröckelig-kristallin. Ja, erinnert an Gouda, aber ist doch anders! Killeens von Marion Roeleveld aus Portumna in Galway war weicher, aus Ziegenmilch, mit leiser, belebender Säure, und erinnerte mich trotz aller Unterschiede an die Schafskäse der Pyrenäen. Ein Schafskäse war auch der dritte dieser Runde: der Cáis Na Tire wird ebenfalls von Marion Roeleveld gemacht, aus der Milch der Familie Cahalan in Terryglass. Im Stil an einen Pecorino angelehnt, ein harter, großartiger Käse – das erkanntet Ihr alle sofort, und der 2014 Kratos, ein Fiona d’Avellino von Luigi Maffini aus Paestum war dazu wirklich ein Volltreffer.

Der herbe Rotwein von Muster aus der Steiermark (2011, aus Blaufränkisch, Blauem Wildbaches und Zweigelt) zum Blauschimmelkäse war hingegen ein Experiment, das nur halbwegs positive Ergebnisse brachte. Cashel Blue gefiel Euch allen mit seiner vollmundigen Kremigkeit, aber er ließ den Rotwein streng erscheinen. Mike Thomsons Young Buck kannten einige von Euch schon (mehr über ihn hier), und das war eine ganz andere Nummer, da ging „richtig was ab“. Wie auch bei meinem letzten Wein, dem 2007 Schimbock Riesling von Daniel Vollenweider – noch super jung und honigsüß; der hätte auch noch zehn oder zwanzig Jahre im Keller liegen dürfen… Crozier Blue, ebenfalls von Cashel aber aus Schafsmilch, war ihm ein angemessener Partner, und Ihr eine ganz tolle Gruppe, trotz Hitze und Lärm! Danke für Euer Interesse und Eure Unterstützung – cheesio.

PS Da nichts immer wie immer bleibt, stelle ich gerade die Mailingliste auf ein Abo-System um, und es gibt außerdem ab sofort den monatlichen Heinzelwein-Dreier. Für beides könnt Ihr Euch hier anmelden.

HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an alle Abonnenten, die fünfzehn Plätze am Tisch werden auf Reservierung per Email vergeben, die meinerseits am Montag vor dem HeinzelCheeseTalk schriftlich bestätigt wird. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von zwölf Euro pro Käsegenießer (bar am Ende des Abends), wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheesio!

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