HeinzelCheeseTalk #33: Licht! Griechisches Licht, in Form von Käse (und Wein). Freitag, 18. November 2016

Der November ist immer dunkel, dieser schien besonders dunkel.

Aber: There’s a crack in everything, that’s how the light gets in.

saeulen

Einer der berührendsten lichterfüllten Orte der letzten Zeit war für mich die Akropolis in Athen. Deshalb beschäftigten wir uns an diesem Freitag mit den Ritzen und Rissen, durch die das Licht strömt und das Leben weitergeht. Essen und Trinken, Käse und Wein, das sind keine Banalitäten, sondern die Grundlage. Für Leben, für Begegnungen und für Verständnis – das wurde auch auf der Cheese wieder ganz deutlich.

Also brachte ich meine Käseschätze aus dem Athener Feinkostparadies der Brüder Vasilopouloi mit, erweitert durch großzügige Gaben von Valli Paizi aus ihrer Käsetheke im Risse in Mitte (inklusive selbstgebackenem Brot!), und Wein, und Ihr brachtet einfach Euch, Eure Offenheit und Begeisterung. Und alle zusammen versuchten wir, ein bißchen Licht im Dunkel strahlen zu lassen.

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Rosé-Sekt aus Xinomavro von Karaniki half über das erste Fremdeln hinweg, denn die historische Fülle und Vielfalt der griechischen Käse ist nicht einfach zu erforschen, weil sie sich genauen Kategorisierungen beharrlich entzieht (zugegen, es hülfe, wenn Heinzelcheese Griechisch könnte). Die meisten sind aus Schafsmilch mit etwas Ziege, Kuhmilch ist selten.

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Zum Sekt paßte sehr gut der in Lake gereifte Kalathaki aus Limnos, dann gab es etwas gereifteren Ziegenkäse mit Pfeffer zum aromatischen Kalogeri Malagouzia von Papagiannakos. Aus dem gleichen Haus pinienduftiger Retsina, mit einem gereiften Anthotyri aus Ziegenmolke mit Oregano und Knoblauch (von Kafenion, die auf der Cheese einen Stand hatten).

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Sehr ungewöhnlich (für uns) der in Olivenöl gereifte Ladotyri, mit einer ganz eigenen Konsistenz.  Die Runde der Graviera, große gereifte Hartkäse, begann mit dem San Michali aus Syros, einer Insel südlich von Athen, auf der venezianische Mönche im 15. Jahrhundert begannen, Kühe zu halten. Großartig dazu der Assyrtiko von Hatzidakis aus Santorini, voller reifer gelbgrüner Zitrusaromen, der Alkohol sehr diskret. Dann eine Reihe von zwei bis drei Jahre gereifte Graviera-Käsen aus Schafsmilch, teils mit geschmierter Rinde, teils wie Parmesan außen lediglich trocken gehalten.

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Dazu schenkten uns Zoli Heimann und Ildiko Eszterbauer, beide junge Winzer in Szekszard in Ungarn ihre Kadarka-Rotweine ein, sehr fein und diskret, die uns zwangen, unser Kadarka-Bild neu zu beleuchten – Ritzen und Risse…  Als ich dann den 2012 Öküzgözü Vintage von Kayra aus Ost-Anatolien öffnete, da wart Ihr innerlich bereits ganz offen für neues Licht aus ungewohnten Quellen, und das besiegelten wir endgültig mit dem nahezu balsamisch konzentrierten und doch ganz trockenen Nykteri aus überreifen Assyrtiko-Trauben von Hatzidakis.

 

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Let the light get in – Dank an Euch alle für diesen Abend und meine Entschuldigung für die fehlende komplette Auflistung der verkosteten Käse. Geht zu Valli ins Rises, oder zu Christus Tziolis ins Cava, oder in Athen ins Vasilopouloi…

HeinzelCheeseTalks finden rund einmal im Monat an einem Freitag um 18h in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg statt, an dem langen Tisch gegenüber vom Suff-Weinstand. Ich bringe spannende Käse mit, öffne ein paar Flaschen Wein, wir verkosten, reden, diskutieren, alles ganz entspannt (und größtenteils auf deutsch – obgleich wir es im allgemeinen auch schaffen, den einen oder anderen auf englisch “mitzunehmen”). 

Die Einladung geht etwa zehn Tage vorher an eine Mailingliste, die fünfzehn Plätze am Tisch auf Reservierung per Email vergeben, die meinerseits schriftlich bestätigt wird. Ich freue mich über einen freiwilligen Kostenbeitrag von zwölf Euro pro Käsegenießer, wenn’s extra viel Spaß gemacht hat, dürfen es auch ein oder zwei Euro mehr sein… cheesio!

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