Der Käse des Monats im März 2019 ist: Mimolette aus Nordfrankreich

Dies ist eine Reihe, die ich seit Jahren monatlich schreibe. Hier könnt Ihr sie abonnieren – dann bekommt Ihr den neuesten Käse direkt auf den Bildschirm!

Gereifter Mimolette ist nicht gerade eine Schönheit; mehr oder weniger tiefe Krater überziehen ihn wie Pockennarben. Die nur leicht abgeflachte, bowlingkugelgroße Form ist noch dazu ausgesprochen unpraktisch. Bei fortgeschrittenem (also: angemessenem) Reifestadium (was bedeutet: mindestens 12 Monate) gleicht das Ansetzen eines Messers einem risikofreudigen Balanceakt, der Mut, Erfahrung und wahre Liebe zur Materie voraussetzt.

Denn in diesem Alter ist der Mimo­lette erstaunlich fest, beim Schneiden bricht er gerne splittrig, und zu Hause verlangt er der Ausstattung einiges ab. Ungeliebte Weihnachtsgeschenke in Form von verspielten Designermessern und gläsernen Käseplatten lassen sich mit Hilfe eines reifen Mimolette auf höchst diplomatische Weise entsorgen. Doch ist die Kugel erst gebändigt und gespalten treten ihre wahren Werte zutage. Intensiv orange leuchtet es im Innern, mit nur ganz wenigen kleinen Löchern.

Mimolette mag beim Schneiden bröckeln und splittern, im Mund ist er stets von einer glatten Saftigkeit geprägt, wirkt niemals trocken oder gar staubig. So orange wie er leuchtet, so zitrus-nussig fein duftet und schmeckt er. Außerdem, und daher sei er Euch hier für die letzten kalten Tage ans Herz gelegt, ist gereifter Mimolette der beschriebenen Art ein ausgesprochener Wein-Käse. Und zwar Rotwein, was sich entgegen landläufiger Meinung tatsächlich nur von wenigen Käsen zu Recht behaupten läßt.

Er arrangiert sich spielend mit den härtesten roten Tanninknochen aus Bordeaux genauso wie mit üppigem Shiraz aus Australien (schmeckt allerdings auch wunderbar zu fruchtig-trockenem Riesling). Das orangefarbene Leuchten der Käsekugel hat natürlich nichts mit Rotwein zu tun, sondern mit den Samen eines südamerikanischen Strauchs, die als Annatto schon lange zum Butter- und Käsefärben benutzt werden. Mit ihrer Hilfe sollte angeblich einst der französische Mimolette vom ungefärbten holländischen unterschieden werden, zu einer Zeit als zwischen den Niederlanden und Frankreich Krieg herrschte und teure Importe auf französischer Seite staatlich untersagt und mit heimischer Produktion ersetzt wurden. Damals lag der Unterschied nur in der Farbe, heute hat die niederländische Variante das Coating ereilt, im Gegensatz zu der milbenzerfressenen französischen Variante eine rundum saubere, aber leider wenig aufregende Geschichte. Deshalb: zückt die stabilen Messer und öffnet die Rotweinflaschen, bevor der Frühling so richtig einzieht.

PS Wenn Ihr mehr über Milben lesen möchtet, dann findet Ihr hier einen Link (etwas nach unten scrollen!). Und: Mimolette entsteht aus Kuhmilch, teils unbehandelt, teils pasteurisiert.

Dies ist eine Reihe, die ich seit Jahren monatlich schreibe. Hier könnt Ihr sie abonnieren – dann bekommt Ihr den neuesten Käse direkt auf den Bildschirm!

Und wenn Ihr das gerne gelesen habt, dann klickt Ihr vielleicht auch auf diesen Button und unterstützt mich in meiner Arbeit. Danke.

Unterstütze mich über Steady

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.