Käse des Monats Dezember 2014: Montgomery’s Cheddar, North Cadbury/Somerset, GB

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Ohne große Vorrede: der Käse des Monats im Dezember ist Montgomery’s Cheddar. Wer jetzt sagt, Heinzelcheese sei im Moment ziemlich Cheddar-fixiert – stimmt. Und warum, bitte schön, auch nicht? Falls tatsächlich Erklärungsbedarf besteht: vielleicht liegt es an dem kalten Ostwind, der uns gerade den Winter in die Knochen bläst und mich nach vollem, üppigem, dichtem Käse greifen läßt, voller wunderbarer Buttrigkeit (aber ohne eine Spur von Fettigkeit!).

Foto 2

Ein Käse, der warm und satt macht, statt federleicht über die Zunge zu tänzeln wie eine frische Ziege. Ein Käse, der sich in großen Stücken bevorraten läßt für winterliche Notfälle, wie die morgendliche Überraschung einer dicken Schicht frisch gefallenen Schnees. Ein Käse, der sich mit all den wunderbaren Weihnachtsleckereien verträgt, von Plumpudding bis Früchtekuchen, und einem eine großartige Ausrede liefert, dazu einen „schweren“ Wein wie Amontillado oder Oloroso Sherry zu öffnen. Kurzum: Cheddar muß her. Um jetzt wirklich ganz und vollkommen ehrlich zu sein (was ich hier immer zumindest versuche) – er könnte auch Keen’s, Hafod, Isle of Mull oder Mary Quicke’s Vintage heißen… Sie sind alle großartig. Aber das letzte Stück Montgomery’s, das ich bei Neal’s Yard Dairy am Londoner Borough Market gekauft  (falls übrigens die Frage aufkommt: nein, ich werde nicht dafür bezahlt, diese braven Leute ständig zu erwähnen, wann immer sich die Gelegenheit im Zusammenhang mit britischem Käse ergibt – sie sind einfach.die.besten.), und mit großem Vergnügen mit einigen von Euch beim letzten HeinzelCheeseTalk vertilgt habe, dieses Stück war von einer solch außergewöhnlichen, erstaunlichen Eleganz…

jamie MontgMit 17 Monaten Reife hatte sich ein Aroma entwickelt, das uns alle an Zitronenzeste erinnerte und das ich zumindest bis jetzt selten im Cheddar erlebt habe. Der Käse war üppig, aber das absolute Gegenteil von fettig und doch überhaupt nicht trocken. Für die Freaks unter Euch: Rohmilch, jawohl, Kälberlab, genau, aus North Cadbury in Somerset, exakt. Und stimmt, das Stück oben auf dem Foto ist nicht das beschriebene von Neal’s Yard (das verschwand viel zu schnell), sondern eins, das ich bei Knippenberg’s hier in Berlin gekauft habe – jeder Käsehändler hat seinen eigenen Geschmack und selektiert dementsprechend beim Einkauf. Die Familie  Montgomery macht seit drei Generationen Käse, und Jamie hat entscheidend zur Renaissance des handwerklichen britischen Käse im allgemeinen beigetragen. Mehr zum Thema Cheddar gibt es hier, und die Oberkäsespezis möchten sich vielleicht die aktuelle Ausgabe der (grundsätzlich mehr als lesenswerten) Zeitschrift Effilee beschaffen, mit meinem Bericht über die Konferenz zum Thema Science of Artisan Cheese, bei der Jamie Montgomery im Sommer den Gastgeber spielte (sehr englisch,  sehr formvollendet und sehr großzügig). Ich wünsche Euch allen einen freudvollen Advent und (irgendwo in einer kühlen Ecke) immer genug Cheddar.

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