Der Käse des Monats im Februar 2019 ist: Rosalita von Tjamsland Ysteri in Birkeland, Südnorwegen

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Als ich in den 1960er und ’70er Jahren in Westberlin aufwuchs, war die Grüne Woche nicht nur ein Muß, sondern auch super spannend. Nur dort gab es französisches Baguette, amerikanisches Icecream, holländische Pommes, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das sieht heute leider anders aus, zwischen Marktschreiern und Massenware versteckt sich sehr wenig Originelles und Sehenswertes.

Aber: Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Die Norweger legen unbeirrt vom klamaukigen Rummel anderer Jahr um Jahr einen Auftritt hin, der höchste Anerkennung verdient und im wahrsten Sinne des Wortes geschmackvoll ist. Sie bringen das Beste und die Besten ihres Landes nach Berlin  – und dazu gehört längst auch Käse.

Dieses Jahr habe ich dort Jørn Martinsen kennengelernt, und deshalb ist der Käse des Monats für den Februar sein kleiner runder Rosalita. Aus unbehandelter Kuhmilch, gut vier Wochen gereift, sehr dicht und langsam schmelzend, milchig und nach hinten in einen angenehmen, feinen Bitterton auslaufend…

Jørn und Ruth Kylland Martinsen übernahmen den mit 26 Hektar eher kleinen Hof in Südnorwegen 1997 von seinen Eltern und hielten erst einmal Legehennen für die Erzeugung von Öko-Eiern. Auch das geschah bereits mit der Hilfe von Innovation Norway, einer staatlichen Organisation, die die Landwirtschaft des Landes seit 1852 aktiv mit Fördermitteln und -plänen unterstützt, um die Modernisierung des Landes voranzutreiben. Denn in Norwegen hat man seit geraumer Zeit erkannt, wie sich über die Kulinarik das Image eines Landes positiv prägen läßt und der Tourismus allgemein fördern.

Nach zehn Jahren wollten die Martinsens den Hof, der seit dem frühen 19.Jahrhundert von ihrer Familie bewohnt und bewirtschaftet wird, wieder zu einer ursprünglicheren Form zurückführen: „Die Verarbeitung der Rohstoffe vor dem Verkauf auf den Höfen soll auf das zurückgehen, was vor den letzten zwei oder drei Generationen getan wurde“ schreiben sie auf ihrer Website. 2014 kauften sie die erste Kuh, um eine Hofkäserei aufzubauen, Tjamsland Ysteri.

Heute melken sie fünf Kühe, Rosa, Vanja, Bryne, Stjerna und Rosalita, Rosas Tochter, der Rassen Jersey- und Sidet Trønder und Nordlandsfe. Die Milch läuft direkt in den Kessel der Käserei neben dem Melkstall und wird euterwarm verarbeitet. Rosalita ist ein mit Milchschimmel (Geotrichum candidum) gereifter Frischkäse, der wie ich finde ganz zu Recht bei den letzten World Cheese Awards mit einer Goldmedaille bedacht wurde. Nach zwei Monaten Lagerung wird daraus der ebenfalls großartige, deutlich kräftigere, komplexe Lykke Rose. Solche Weichkäse sind nicht nur für Norwegen ungewöhnliche, sondern ganz allgemein anspruchsvolle Käse. Als sei das nicht schon genug, hatte Jørn Martinsen aber außerdem den ein Jahr gereiften, süßschmelzigen Rødlin dabei…

Tjamsland liegt eine halbe Autostunde nordöstlich von Kristiansand am Skagerrak. Ich war noch nie im Süden Norwegens, und ich möchte so bald wie möglich hin. Man merke: sie funktioniert gut, die Innovation Norway-Strategie.

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