Es ist ein Klischee, ich weiß, aber im Sommer steigt meine Rosé-Lust ganz extrem. Besonders die südfranzösischen Rosé-Weine aus Grenache und Syrah, die Frucht und Körper so wunderbar mit Frische verbinden, fangen Tageshitze und laue Nächte in sich auf und machen Sommerkulinarik mit Tomaten, Oliven, Hummus & Co zu wahren Festessen. Mein Liebling im Moment ist der Le Clos von Jean Boudau aus Rivesaltes im Roussillon. Kaltstellen, trinken, freuen.
Doch gibt es natürlich auch im Sommer besondere Momente, wenn Seele, Geist und Gaumen herausgefordert werden möchten – und dafür ist mir neulich der Extra Brut von Fred Loimer aus Langenlois im Kamptal „passiert“. Aus Grünem Veltliner, Zweigelt und Pinot Noir, zwei Jahre auf der Hefe „verbubbelt“, stark von dieser Zeit geprägt, mit viel „roter“ Säure und ohne jeglichen Anflug von kuscheligem Brioche – ein Schäumer mit soviel Energie wie die kalte Dusche nach einem ausgedehnten Saunagang.
Letzteres Bild kam nicht von ungefähr an jenem Abend, als der Korken ploppte, denn ich war im Hamam gewesen, hatte ausgiebig sauniert und mich dann mit entspanntem Geist meiner Lektüre gewidmet, Ursula Le Guins Übersetzung des Tao Te Ching.
Insight If my mind’s modest, I walk the great way. Arrogance is all I fear. The great way is low and plain, but people like shortcuts over the mountains. The palace is full of splendor and the fields are full of weeds and the granaries are full of nothing. People wearing ornaments and fancy clothes, carrying weapons, drinking a lot and eating a lot, having a lot of things, a lot of money: shameless thieves. Surely their way isn’t the way. Ursula Le Guins Kommentar als Fußnote lautet: So much for capitalism. Ich wünsche Euch möglichst viele schöne Sommer-Momente.
Und damit Ihr nicht lange suchen müßt: falls Ihr in Berlin wohnt, gibt es den Rosé von Boudau hier und hier den schäumenden Loimer (ansonsten aber auch viele Versender im Internet) und hier das Buch von Lao Tzu bzw. Ursula Le Guin. Trinken, lesen, schmecken, denken müßt Ihr wie immer selbst.
|