Draußen wogen junges Grün und Blüten zwischen Hagelsturm und Sonnenwonne, der Frühling hat den Frost immer noch nicht hinter sich gelassen und ruft doch schon nach T-Shirt und Sandalen. Ich mag dieses Schwingen zwischen den Polen, das Sichstrecken in viele Richtungen, es birgt soviel mehr Energie in sich als die lethargische Glut des Hochsommers. Für mich passen dazu ganz besonders transparente, tanzende Rotweine, die mir wie eine Fortsetzung oder ein fließender Übergang der Orange-Weine erscheinen. Sie sind zurückhaltend in den Tanninen aber doch herb, voller Farbe und dabei durchscheinend, mit Frucht- und Blütenaromen, die in steinig-erdige Töne übergehen.
Dazu wollte ich Euch nun eigentlich das Flamingo-Gedicht von Rainer Maria Rilke an die denkende Seele legen – doch das muß warten. Denn an diesem ersten Mai lag anderes in der Luft, das mir dringender schien, auf den ersten Blick vielleicht nicht zwingend zu den Weinen passend, aber doch tatsächlich zu allem passend: Gedanken zum Muttersein von Adrienne Rich, der amerikanischen Dichterin und Feministin.
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