Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mein Weinkonsum ist nach wie vor auf Corona-Niveau, und meine Grundstimmung nach wie vor auf Alarm – jeden Morgen auf eine neue Hiobsbotschaft vorbereitet, sei sie nun gesellschaftlicher, politischer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art… was ja aber letztendlich alles eins ist. Gleichzeitig, oder vielleicht gerade deswegen, gibt es intensiv schöne Momente. Zu denen wiederum häufig der Wein gehört, des Abends, auf dem Balkon, und zur Zeit, nicht sehr originell, sehr sehr gerne Rosé.
Deshalb auch für Euch heute zweimal pink stuff, aus Südafrika. Seit Anfang der Krise treffe ich mich jeden Sonntagabend mit meinen Freunden Nikki und Brandon in Kapstadt zum Zoom-Apéro. Wir öffnen hier und dort eine Flasche zu einem bestimmten Thema, reden darüber und wie es uns geht und was sich so ergibt – in den letzten Wochen vor allem über die längst fällige Demokratisierung der Weinkultur in Südafrika. Die wurde lange von der weißen Minderheit besetzt; man (vor allem mann) bemühte sich zwar seit dem Ende der Apartheid zum Teil, für die mehrheitlich schwarzen Arbeiter bessere Bedingungen zu schaffen, doch ansonsten blieb alles beim Alten. Seit einigen Jahren ist nun aber eine neue Generation von echten disruptors angetreten, die das ganze System radikal neu erfindet. Die den Wein aus der Elite-oder-Plörre-Ecke holt und alte Traditionen als genau das entlarvt, nämlich alt, verstaubt und überholt, und guten Wein für alle bieten möchte, auch in den Townships. Von diesen neuen Projekten kommt nur wenig hier nach Deutschland (was ja auch nicht der Sinn der Sache ist). Diese zwei Rosé-Weine bringen Euch aber hoffentlich zum Nachdenken und Neudenken…
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