Es war eine der eindrücklichsten Begegnungen der langen Recherche für mein erstes Käsebuch, Erlebnis Käse und Wein. Beinahe 13.000 Kilometer durch ganz Deutschland und zu über 120 Käsereien bin ich 2008 gefahren. Und dann in Gersbach, einem malerischen Örtchen im Südschwarzwald, 900 Meter hoch und sehr abgelegen: Sabine und Larry Arango und ihre Chäschuchi. Frisch-, Weich- und Schnittkäse in allen möglichen Varianten, Quark und Joghurt - war und ist alles gut. Aber die Silberdistel, die war und ist der HAMMER. Larry Arango hatte sie mir damals wie Bückware präsentiert, der weiße Edelschimmel fein rötlich überzogen, die Würze wunderbar lang. Das war mir auf meinen Touren sonst nicht begegnet. Ich konnte vor Begeisterung kaum an mich halten, doch er erklärte mir, es sei ein Einzelstück, es würde sich einfach nicht rechnen, so etwas zu vermarkten.
Danach mußte ich vor lauter Aufregung erstmal Schwarzwälder Kirschtorte essen gehen und über das gerade Erlebte nachdenken. Ich kam zu dem Schluß (ich bin ein hoffnungsloser Optimist): „Selbst wenn es sich bis jetzt nicht rentiert, solche Käse anzubieten – irgendwann wird es so weit sein.“ Doch dann – hörte ich nichts mehr aus Gersbach. Keinen Piep. Bis sich jetzt im Mai, elf Jahre später, plötzlich Isabel bei mir meldete, die Tochter der Arangos. Sie sei regelmäßig in Berlin, und ob sie mir wohl Käse zum Probieren bringen dürfte? Und ob! Was war dabei: eine große Silberdistel. Der Hammer, siehe oben. Noch besser: Isabel kommt mit ihrem Partner Matthias (und hoffentlich ihren Eltern!) und Silberdisteln zur Cheese Berlin im November. Vielleicht ist mein Optimismus doch nicht so hoffnungslos.
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