Schneeflocken im Wind. Blütenblätter in der Luft. Der Schnee bleibt nur noch kurz liegen, ein Schaum, sehr zart. Und ein Vogelschwarm am Himmel, schwarzes Schwirren und Wogen. Im Heute das Morgen: weißes Torkeln und Taumeln, rosafarbenes Regnen und Rieseln. Fallen, auffliegen. Licht. Nadine Olonetzky hat dieses Gedicht mit Ornament überschrieben. Aber die Illustrationen in ihrem eigentümlich anrührenden Buch „Belichtungen“ (Kommode 2018) sind keine Ornamente. Entstanden durch gefundene Objekte, die auf langsam vergilbenden Papier ihr Abbild hinterlassen haben, sind die blassen hellgelben Umrisse vor nur leicht dunklerem Hintergrund sichtbar gemachte Zeit. Die Gedichte – oder vielleicht könnte man sie auch Beobachtungen nennen – hat die Schweizer Autorin erst danach geschrieben. Wein ist schmeckbar gemachte Zeit. Er verändert sich zwar auch farblich (Weißwein wird dunkler, Rotwein heller), aber vor allem geschmacklich, weg von all den frischen, fruchtigen Aromen zu balsamischen wie Bienenwachs, Tabak und frischer Erde. In den besten Fällen entsteht eine ganz neue Dimension an Komplexität, und trotzdem wirkt der Wein häufig stringenter. Doch auch hier ist viel Geduld vonnöten – weshalb es einfach wunderbar ist, wenn ein Winzer nicht nur großartige, charaktervolle Weine macht, sondern die zum Teil auch lange reifen läßt, bevor er sie in den Verkauf bringt. Hajo Becker vom Weingut J.B. Becker in Walluf im Rheingau tut genau das...
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