Heinzelwein-Dreier für den November 2020: Licht im Glas – und Jazz für Ohren und Seele
 
 
Heinzelwein Pasaeli und Adam


Ich denke meistens schon lange vor dem Schreiben darüber nach, was ich Euch hier ans große Weinherz legen soll, und welche Worte oder Töne am besten dazu passen. So war mir schon vor Tagen klar, daß Ihr unbedingt den Yapıncak (Rebsorte, weiß) von Paşaeli (Weingut) aus Tekirdağ am Marmara-Meer (zwischen Schwarzem Meer und Bosporus, also Istanbul) kennenlernen müßt. Weil er nicht vordergründig fruchtig schmeckt, sondern an getrocknete Apfelschalen und Lindenblüten erinnert, weich, beinahe balsamisch in der Säure ist und doch voller Leben steckt... Dann hat dieser Wein allerdings plötzlich eine besondere Bedeutung bekommen, da die Weinberge von Paşaeli zur Hälfte in Tekirdağ und zur anderen Hälfte bei Izmir liegen, wo gestern die Erde gebebt hat – und uns im Moment nicht viel anderes bleibt, als das Beste zu hoffen.

Hoffnung… soviel Schatten, und nicht einfach, immer wieder das Licht zu finden. Ich habe mich gerade intensiv mit Riesling Kabinett auseinandergesetzt, diesen alkoholleichten Weinen (um die acht oder neun Prozent) mit etwas von den Hefen nicht vergorenem Zucker aus den Trauben (meist zwischen zehn und dreißig Gramm – pro Liter!!). Die besten davon sind voller lebendiger Säure und tiefer, spannender Würze aus dem Boden – und deshalb voller Licht. Als Apero, einfach so, als Dessert, zum Thai-Curry…

Stellvertretend für viele andere hier der 2019 Riesling Kabinett aus der Piesporter Lage Goldtröpfchen vom Weingut A.J. Adam in Dhron, aus über hundert Jahre alten, wurzelechten Reben – ich könnte jetzt lange Aufzählungen von Fruchtaromen etc etc anschließen, das Großartige an diesem Wein (und anderen seiner Art) ist aber, daß er das nicht braucht. Deshalb: Jazz. Weil der oft eine ganz ähnliche Spannung zum Ausdruck bringt. Zum Beispiel Miles Davis 1964 in der Berliner Philharmonie: So what.