Der Käse des Monats für Juni 2019 ist: Red Hawk von Cowgirl Creamery, Petaluma/Kalifornien, USA
 
 
Red Hawk cut close


Der Red Hawk alleine ist ein Flugticket in die USA wert. Wer das als übertrieben abtut, hat diesen kleinen runden Stinker noch nicht ihn Bestform erlebt. Großes Käse-Ehrenwort! Er ist köstlich, schmilzt üppig auf der Zunge (das ist hier mal kein Werbespruch, denn für den Triple Cream beziehungsweise Doppelrahmkäse wird unter die vollfette Milch richtig viel Sahne gemischt), und all die sahnige Süße wird von den Aromen der rotschmierig-stinkigen Rinde ausbalanciert, je gereifter, desto waghalsiger und beeindruckender. 

Zugegeben, der etwa 200 Gramm schwere Käse ist kaum unter 20 US Dollar zu bekommen. Er ist Luxus, in jeder Beziehung. Aber nicht nur jetzt und hier auf dem Käsebrett, sondern auch kulturhistorisch so interessant! Denn Red Hawk, benannt nach den Rotschulterbussarden des Marin County, diesem wunderschönen Küstenstrich unmittelbar nördlich von San Francisco, war einer der ersten so richtig stinkigen Vertreter der amerikanischen Käseszene der Moderne. Meine Kollegin Janet Fletcher kommentierte damals begeistert, endlich würden die Amerikaner das Langweilig-Fade hinter sich lassen (wobei der nur wenige Jahre ältere Bruder des Red Hawk, der dezent nach frischen Champignons duftende, mit strahlend weißem Schimmel überzogene Mount Tam, weder fade noch langweilig ist!). Dieser Käse gehört zu den Grundlagen des Erfolges der Cowgirl Creamery, die Peggy Smith und Sue Conley 1997 im Marin County gründeten. Zuerst verarbeiteten sie die Öko-Milch eines benachbarten Hofes zu Frischem wie Hüttenkäse, Crème Fraîche und Quark, dann wagten sie sich nach einigen Jahren an den Mount Tam und wiederum einige Jahre später: Red Hawk...