Über mich: Heinzelcheese

GlockeIch lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.

Das ist nicht von mir, sondern von Rainer Maria Rilke, aus dem Buch vom mönchischen Leben. Ich lebe keinesfalls wie eine Nonne, aber das Bild der Ringe gefällt mir sehr; ein Leben nach dem anderen, keines möglich ohne die vorhergehenden. Viel Veränderung, aber kein Verdrängen des Vergangenen. In einem dieser vielen früheren Leben habe ich Köchin gelernt, in einem anderen mich ein ganzes Jahr auf der Heidelberger Hotelfachschule ausschließlich mit Wein beschäftigt (seitdem klebt das wenig kommode Wort Sommelière an mir, als sei ich eine goldene Gans). Irgendwann kam ich aufs Schreiben… und entdeckte Käse als eines meiner Seelenthemen (oder er mich?).

Heinzelcheese MKIn meinem gegenwärtigen Leben, das ich zwanzig Jahre mit dem englischen Weinfanatiker Stuart Pigott geteilt habe, arbeite ich als freiberufliche Journalistin und Autorin. Ich schätze mich glücklich, daß Publikationen wie EffileeSlow Food, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung und die amerikanischen Zeitschriften Gastronomica (here is my interview with René Noma Redzepi!), Saveur und Culture, the word on cheese meine Artikel veröffentlichen. Gleichzeitig betrachte ich es als großen Luxus, nur noch an meinem eigenen Herd und für ausgewählte Gäste zu kochen, nämlich gute Freunde. Wie auch in meinen Büchern geht es mir dabei nicht um Hochgestochenes für seltene Ausnahmemomente, sondern größtmögliche Qualität und das Vergnügen daran im Alltag. Wie in meinem Leben als „Suppenfrau“, als ich die Rezepturen für die Yes Please-Suppen entwickelt habe, zuerst im Kopf, dann im Topf. Immer habe ich dabei an die hektischen Tage meines eigenen Alltags gedacht, in denen Einkaufen und Kochen gelegentlich zum Luxus werden, und mittags ein Teller warmer, duftender Suppe wie eine Yogastunde wirkt.

IMG_0303Praxis – nämlich tatsächlich kochen, essen und trinken – und Theorie – darüber schreiben – sind für mich wie Mond und Sonne, das eine ohne das andere undenkbar, aber Sinneseindrücke wie Bilder, Duft und Geschmack tatsächlich in Worte zu übersetzen, ist nicht immer einfach. Auch dazu hat Rilke etwas sehr Schönes, in den Sonetten an Orpheus:

Voller Apfel, Birne und Banane, Stachelbeere… Alles dieses spricht Tod und Leben in den Mund… Ich ahne… Lest es einem Kind vom Angesicht, wenn es sie erschmeckt. Dies kommt von weit. Wird euch langsam namenlos im Munde? Wo sonst Worte waren, fließen Funde, aus dem Fruchtfleisch überrascht befreit. Wagt zu sagen, was ihr Apfel nennt. Diese Süße, die sich erst verdichtet, um, im Schmecken leise aufgerichtet, klar zu werden, wach und transparent, doppeldeutig, sonnig, erdig, hiesig – : O Erfahrung, Fühlung, Freude -, riesig!

Das ist ein richtiger Aufruf zum Hinschmecken, zum Aktivieren der Verbindung zwischen Mund, Nase und Hirn – Tätowierungen sind nicht mein Ding, aber wenn sie es wären, stünden diese Rilke-Zeilen vielleicht auf meinem Rücken. Oder sonst wo… viel allgemeiner zugänglich sind einige Interviews, die viel von meinen Erfahrungen und Gedanken einfangen. Katharina Höhnk hat sich für ihre großartige Online-Schatzkiste Valentinas Kochbuch mit mir unterhalten. Teresa Bücker arbeitet beim neuen, super spannenden Online-Magazin Edition F, wo frau sich für Interviews wunderbar viel Zeit nimmt. Zu lesen hier. Michael Miersch hat für die Welt gefragt und unser Gespräch Käse ist Kunsthandwerk betitelt. Womit wir bei dem Thema wären, das in meinem gegenwärtigen Leben eine immer wichtigere Rolle spielt: Käse. Gestatten: Heinzelcheese.