Käse des Monats August 2017: Kars Kaşar aus Boğatepe/Ostanatolien, Türkei

Zwei Dinge faszinieren mich ganz besonders an den traditionellen Käsen Anatoliens: in ihnen sind die Verbindungen zur Vergangenheit, zu den nomadischen Anfängen unserer Kultur, noch sehr lebendig, und sie bringen die Schichtungen und Vermischungen unserer kulturellen Prägung deutlich zum Ausdruck. Wir alle sind Migranten und von vielen Kulturen geprägt, wir sind uns dessen nur nicht immer bewußt. » Weiterlesen…

Der Käse des Monats Juli 2017: Gereifter Ziegenkäse von Kozia Łąka Sery Łomnickie, Łomnica/Polen

Bei meiner ersten Recherchereise nach Polen im August 2014 war ich bereits einmal in einem Ökoladen in Warschau auf zwei Käse von Bożena und Daniel Sokołowscy gestoßen. Sie halten etwa hundert Ziegen auf ihrem Ökohof Kozia Łąka Sery Łomnickie südlich von Jelenia Góra in Niederschlesien, mit Blick aufs Riesengebirge und die Schneekoppe. » Weiterlesen…

Käse des Monats Juni 2017: Urban Blue von Blue Harbour Cheese in Halifax, Nova Scotia/Kanada

Kleine handwerkliche Käseproduzenten, das klingt immer so wunderbar romantisch, politisch korrekt und nach Idylle – und ist doch bei näherer Betrachtung oft reiner Überlebenskampf, inmitten von viel Überlastung, Verzicht und (zumindest aus meiner Städtersicht) grenzwertigem Chaos. Das kann so extrem ausfallen, daß ich mich manchmal aktiv bemühen muß, dieses Chaos im Kopf von Käse und Qualität zu trennen… Doch es geht auch anders. » Weiterlesen…

Käse des Monats Mai 2017: Kamakh rijal aus Persien

Ja, nein, ich war weder im Iran, noch in Kurdistan, Aserbaidschan oder Armenien. Leider, denn spätestens seit ich das neueste Lese-Kochbuch meiner Freundin und Kollegin Naomi Duguid hier liegen habe, zieht es mich sehr in diese Richtung. Den Kamakh Rijal könnte ich dort allerdings auch gar nicht erleben, wenn der Foodhistoriker und Persien-Spezialist Charles Perry, über den ich darauf gestoßen bin, recht hat (was allermeistens der Fall ist): dieses alte Streichkäse-Rezept ist angeblich ausgestorben. Schwer zu glauben – es ist so einfach, daß ich es sofort selbst ausprobiert habe. » Weiterlesen…

Ein neuer Käse-Ort: Alte Milch in der Markthalle Neun, Berlin

„Da ist jemand, der will hier in der Halle Käse reifen.“ Das war das erste, was ich von Matthias Becker und seinem Alte Milch-Projekt hörte. Ich gebe zu, daß ich das nicht sehr erst nahm. Ich kann mich nicht erinnern, ob der lange, schlaksige Kerl damals auch schon grundsätzlich eine Wollmütze trug, aber es hätte meine Erwartungen nicht unbedingt gesteigert. Inzwischen habe ich längst Abbitte geleistet, und der Alte-Milch-Stand gehört für mich zu den Höhepunkten der Markthalle Neun. » Weiterlesen…

Der Käse des Monats April 2017: Calle de cabreddu aus Sardinien

Drei Dinge gibt es Sardinien in rauen Mengen: Schafe (drei Millionen, die sich mit etwa halb so vielen menschlichen Bewohnern gut vertragen), Disteln (in beeindruckend vielen Varianten, von eßbar, Artischocken, bis ästhetisch, aber sehr stachelig) und Steine (die über die Jahrtausende in unterschiedlichste Formen arrangiert worden sind, zu runden Nuraghe-Tempeln und langen Trockenmauern, aber immer noch sehr zahlreich einfach so in der Gegend herumliegen.
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Der Käse des Monats März 2017 ist Rollright von King Stone Dairy – und ein Käse-Ort, die Jericho Cheese Company in Oxford

Ein gelborange leuchtender, runder, von Fichtenrinde ummantelter Käse, im Innern löffelschlotzigweich, das ist… nein, das ist in diesem Fall kein Vacherin aus dem Jura am westlichen Rand der Alpen. Sondern Rollright, im Vergleich zu diesem Traditionsmodell ein echter Newcomer, weder französisch noch schweizerisch sondern englisch. » Weiterlesen…

Käse des Monats Februar 2017: Sura Kees aus dem Montafon

Trotz Winterschlaf über Weihnachten und Neujahr konnte Heinzelcheese natürlich nicht vom Käse lassen und schaute sich den wunderschönen Film von Dominik Flammer über das kulinarische Erbe der Alpen an, Episode: Urkäse. Und dabei fiel wieder ein kleines Puzzleteilchen im mühsamen Prozeß des Verstehens im unendlichen Käse-Universum an seinen Platz. Was Dominik Flammer (hier bei einer sehr spannenden Verkostung auf dem letzten Käsefestival in Täufers in Südtirol) nicht zu Unrecht als Urkäse bezeichnet, sind Käse, die aus entrahmter (aus der Sahne entsteht Butter), gesäuerter Milch gemacht wurden und werden. » Weiterlesen…

Der Käse des Monats Januar 2017: ist gar keiner, sondern Lab

Diese Lab-Tabletten habe ich vor Jahren bei Dean & Deluca in St Helena/Kalifornien gekauft, und dann in meinem Vorratsschrank einfach vergessen. Ihr kennt das: müßte ich mal ausprobieren… aber nicht gerade jetzt. Was mich daran eigentlich gereizt hat, war die alte englische Zubereitung des Junket. Doch von vorn: was ist Lab? » Weiterlesen…

Käse des Monats Dezember 2016: Pannerone Lodigiano aus der Lombardei, Italien

Merkwürdige Vorstellung bei all dieser Heimeligkeit und den duftenden Köstlichkeiten, daß die vier Wochen vor dem Weihnachtstag in der christlichen Kultur als Fastenzeit gelten. Der Stollen war ein karger Laib, für die Butter darin brauchten wir Nordlichter eine Ausnahmegenehmigung vom Papst… Wie komme ich vom Stollen zum Käse? Mein Käse des Monats stellt ebenfalls einen Akt des Verzichts dar: der Pannerone Lodigiano aus der südlichen Lombardei wird gänzlich ohne Salz hergestellt. » Weiterlesen…